Dr. Janosch Dahmen: "Defibrillatoren müssen im Notfall so schnell verfügbar sein wie Feuerlöscher!"

Unser Bundestagsabgeordneter Janosch Dahmen ist Notfallmediziner. Als solcher und als Gesundheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt er sich für einen "Aktionsplan Wiederbelebung" ein. Seine fünf Hauptforderungen und was bereits in Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis umgesetzt wurde, lest ihr im Artikel.

Am Sonntag, 16. Oktober 2022, findet bundesweit der "Tag der Wiederbelebung" statt. Dazu erklärt Dr. Janosch Dahmen, Bundestagsabgeordneter für Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis, Notfallmediziner und Gesundheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

In Deutschland werden pro Tag durchschnittlich 180 Personen durch den Rettungsdienst reanimiert. Im Falle eines Kreislaufstillstandes kann die sofortige Einleitung einer Wiederbelebung, also schon vor Eintreffen des Rettungsdienstes, die Überlebenschancen verdoppeln bzw. verdreifachen. Die Laien-Reanimationsquote in Deutschland (also die Zahl an eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen durch Laien vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes) liegt mit nur 43 Prozent allerdings weit hinter dem europäischen Durchschnitt (58 Prozent) und ist damit deutlich zu gering!

Die Ampelkoalition hat im Koalitionsvertrag die Erarbeitung und Umsetzung eines "Aktionsplans Wiederbelebung" als Teil des Nationalen Präventionsplans vereinbart. Aus der beruflichen Erfahrung von Janosch Dahmen sind fünf Maßnahmen nun besonders wichtig, damit eine Laien-Reanimation häufiger durchgeführt wird:

  1. Automatisch externe Defibrillatoren (AED) sollten aus Sicht von Janosch Dahmen in öffentlichen und anderen großen Gebäuden und dem Nah- und Fernverkehr zur verpflichtenden Ausstattung gehören: "AED müssen in Deutschland mindestens genauso schnell verfügbar sein wie Feuerlöscher und so selbstverständlich zur Einrichtung öffentlicher und anderer großer Gebäude gehören wie Rauchmelder."
  2. Der Notfallmedizinier und Politiker Dahmen setzt sich zudem für die Erarbeitung einheitlicher Regelungen zur Durchführung regelmäßiger Erste-Hilfe-Kurse in Schulen und Betrieben ein, da fehlendes Wissen in einer Notsituation häufig zu ausbleibendem Handeln führt. Er erklärt: "Es ist wichtig, dass Menschen sich grundsätzlich in der Lage fühlen in Notfallsituationen schnell zu handeln. Dafür braucht es regelmäßige Übung, denn oft liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs, meist zur Führerscheinprüfung, schon Jahrzehnte zurück."
  3. Aktuell ist die Laienreanimationsquote und auch die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Frauen geringer als bei Männern. Laut Janosch Dahmen braucht es daher eine öffentliche Kampagne, um das Bewusstsein über die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Symptome bei Herzinfarkten zu erhöhen und die Unsicherheit bei der Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen an Frauen abzubauen.
  4. Auch sieht der Bundestagsabgeordnete es als entscheidend an, dass Leitstellen gesetzlich zur Anwendung standardisierter Telefonreanimationen verpflichtet werden, was auch eine deutliche Mehrheit der Leitstellen in Deutschland fordert. Bisher werden in Deutschland nur knapp ein Viertel der Reanimationen durch eine Telefonreanimation unterstützt, obwohl sich die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand laut aktuellen Studien durch eine telefonisch assistierte Reanimation verdoppelt.
  5. Eine weitere Maßnahme ist, dass Spontanhelfende, die sich in der Nähe des Notfallortes befinden, über eine App geortet und alarmiert werden und so vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Reanimation beginnen können. Janosch Dahmen erklärt dazu: "Ersthelfenden-Apps müssen in ganz Deutschland standardmäßig an Leitstellen angebunden und die verschiedenen Anbieter technisch miteinander verschränkt werden."

Maßnahmen in Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis

Auch im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Hagen finden sich bereits einige Initiativen, um die Quote der Laienreanimation zu erhöhen. So gibt es beispielsweise in Gevelsberg und Ennepetal gut sichtbare und öffentlich zugängliche Laiendefibrillatoren in der Fußgängerzone und in städtischen Gebäuden. Die Leitstelle der Feuerwehr in Hagen nutzt bereits seit einigen Jahren die standardisierte Telefonreanimation. Auch in Bezug auf regelmäßigere Erste-Hilfe-Kurse in Schulen gibt es bereits sehr aktive Initiativen.

Janosch Dahmen begrüßt das Engagement in seinem Wahlkreis und ergänzt: "Ich finde es toll, dass sich bereits so viele Kommunen und ehrenamtliche Initiativen im Bereich Wiederbelebung engagieren. Jetzt ist es wichtig, diese Maßnahmen flächendeckend und standardisiert einzuführen. Also: mehr Aufklärung über Wiederbelebungsmaßnahmen und die unterschiedlichen Symptome bei den Geschlechtern, telefonische Betreuung für Ersthelfende über die Leitstellen, die Alarmierung Ersthelfender per App und flächendeckende Verfügbarkeit von AEDs."

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