Radfahren in Hagen

18.05.20 von Paul Kahrau

„Neulich bin ich mit hundertzwanzig

auf meinem Fahrrad rumgefahr‘n

und wie immer konnt' ich nur hoffen, 

die Polizei hält mich nicht an, 

denn dann müsst' ich Strafe zahlen 

und man führt mich zum Verhör

 und mein armes kleines Fahrrad

ständ' alleine vor der Tür“... 

Bereits 1991 haben Die Prinzen eine Lobeshymne auf ihr Fahrrad geschrieben und wussten im weiteren Textverlauf: "Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da". 

In Hagen war das Fahrrad bis vor einigen wenigen Jahren nur Sportlichen und Menschen mit viel Zeit vorbehalten gewesen. Die Topographie der Stadt machte es den Alltags-Biobiker*innen (wie Radfahrer*innen auf "normalen" Rädern genannt werden) sehr schwer. Inzwischen entscheiden sich jedoch weit mehr als die Hälfte aller Fahrradkäufer*innen für ein Fahrrad mit Motorunterstützung bis 25 km/h, also ein Pedelec.

Hagen hat sich somit trotz der Topographie zu einer „Fahrradstadt“ entwickelt. Überall im Straßenverkehr sausen Pedelec-Fahrer*innen die Berge hoch, die ohne Mühen und Schweiß von Haustür zur Haustür radeln, während manch Autofahrer*in lange einen Parkplatz suchen, Kleingeld in dem Parkautomaten stecken muss und mal wieder vergessen hat, auf welchen Parkdeck das Auto eigentlich stand. 

Fahrradfahren hat in Hagen aber immer noch eine Kehrseite: Es ist gefährlich. Jahrzehntelang haben die Verkehrsplaner*innen Hagen nur durch die Windschutzscheibe konzeptioniert, unser Hagen als „autogerechte Stadt“ aufgebaut. Denkt man da an planerische Desaster wie die Hochbrücke Volmestraße oder die Eckeseyer Brücke, welche das einzige Ziel hatten, möglichst viele Autos in die Innenstadt zu bringen. Aber auch beim Konzept der Bahnhofshinterfahrung hat man erst im letzten Augenblick den Bürgersteig in einen kombinierten Rad-/Fußweg umgebastelt, mit bis heute störenden Laternen mittig auf dem Weg.

Seit 9 Monaten bin ich selber stolzer Besitzer eines E-Bikes und habe es lieben und schätzen gelernt, mein Auto zu Hause stehen zu lassen und selber in die Pedale zu treten. Werktags ist mein Weg zur Arbeit plötzlich kein Training für Hochleistungssportler mehr, auch die Fahrtzeit ist nun planbarer geworden, da ich nicht von Staus, Sperrungen oder Tankstellenpreisen abhängig bin. Klar ist es im Winter kalt, manchmal nass und ungemütlich, die richtige Kleidung und das Glücksgefühl bei der Fahrt heben diese Punkte aber schnell wieder auf. 

Für all die Bürger*innen, welche heute und in den kommenden Jahren auf das Fahrrad umsteigen, muss nun politisch gekämpft werden. #AufbruchFahrrad und #CriticalMass sind einige wenige Beispiele, die zeigen, dass es eine große Bewegung gibt, welche eine neue Aufteilung des Straßenraumes fordert. Meine persönlichen Wünsche an die kommenden Jahre sind mehr Rad-Kompetenz in der Verwaltung, die Umsetzung des Radverkehr-Konzeptes und die Abkehr von der Auto-fokussierten Planung.

Fahrt immer vorsichtig!

Viele Grüße

Paul 

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