
07.08.2026 –
Sie war über Jahrzehnte Gesicht, Stimme und Gewissen für ökologische, soziale und friedenspolitische Themen und Organisationen weit über Hagen hinaus. Hildegund vertrat BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 25 Jahre lang im Rat der Stadt Hagen, davon 10 Jahre als Fraktionssprecherin.
Hildegund Kingreen wurde am 30.09.1941 in Göttingen als vierte von fünf Töchtern des Altorientalisten Wolfram von Soden und seiner Frau Margarete geboren. Ihr politischer Werdegang begann bereits in den 1960er Jahren, als sie mit ihrem Ehemann Christian und ihren zwei Söhnen noch in Bremen lebte. Das Kinderhilfswerk terre des hommes suchte per Zeitungsanzeige Mitarbeitende. Die Hungerkatastrophe in Biafra während des nigerianischen Bürgerkriegs und auch die Opfer des Vietnamkrieges brachten Hildegund und Christian Kingreen zu lebenslangem Engagement: Während Christian Kingreen ärztliche Hilfe in Krisengebieten leistete und bis heute im Hagener Friedenzeichen und der internationalen Organisation der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) arbeitet, setzte Hildegund einen Schwerpunkt auf die Flüchtlings- und Integrationsarbeit und den Schutz von Kindern. Zum Ende des Vietnamkriegs gab es eine Initiative von terre des hommes, unbegleitete Kinder und Jugendliche aus den Flüchtlingslagern nach Deutschland zu holen. 19 von diesen Jugendlichen kamen nach Hagen. Hildegund Kingreen, die seit 1971 hier lebte, kümmerte sich damals intensiv um ihre Integration durch Unterbringung in Wohngruppen oder Pflegefamilien, Ausbildung, Familiennachzug. Dieses Engagement reichte bis in den eigenen Haushalt: Das Ehepaar Kingreen adoptierte zwei Töchter, eine gebürtige Vietnamesin und eine Deutsch-Amerikanerin. Zudem nahmen sie zwei weitere vietnamesische Pflegekinder auf.
Die Hagener Grünen wurden bald auf Hildegunds Engagement aufmerksam und baten sie um ihre Mitarbeit in den städtischen Gremien, zunächst im neu gegründeten Ausländerbeirat. Neben der Arbeit als Ratsmitglied vertrat sie die Hagener Grünen seither in über 30 Jahren Mitarbeit in verschiedenen weiteren Gremien, darunter die Bezirksvertretungen in Hagen-Mitte und Hohenlimburg und vielen Ratsausschüssen, insbesondere im Umweltausschuss, dessen Vorsitzende sie einige Zeit war.
Hildegunds politische Interessen lagen nicht nur im Bereich Soziales, Flüchtlingsarbeit und Integration, sondern umfassten das gesamte Spektrum grüner Kernthemen: Ihr Eintreten für elementare Menschen- und Bürgerrechte war genauso engagiert wie ihre Begeisterung für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, wobei auch ihre private Tierliebe immer eine Rolle spielte. Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Ausgleich waren ihr ebenso ein Anliegen wie konsequente Friedenpolitik und eine pazifistische Grundhaltung. Gleichzeitig war sie aber auch eine unermüdliche Förderin der lokalen Kultur. Der erhalt von Museen, dem Theater und der freien Szene war ihr immer ein zentrales Anliegen.
Sie repräsentierte die Bandbreite grüner Politik glaubwürdig und integer und war damit auch über das grüne Spektrum hinaus eine moralische Instanz, die in Hagen ein anerkanntes Lebenswerk hinterlässt.
Zugewandt, offen und für jedermann ansprechbar prägte sie das Bild der Hagener Grünen über Jahrzehnte. Ihr Leben im Dienste der Öffentlichkeit war immer getragen von ihrem großen Familienkreis, ihrem Ehemann Christian, den Kindern und Enkelkindern. Auch ihnen sprechen wir unser tief empfundenes Beileid aus. Mit Hildegund Kingreen verliert Hagen eine Ausnahmepolitikerin und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine herausragende Führungsperson.
Sie wird fehlen.