12.02.2020

7 Fragen an Nicole Pfefferer zur Hagener Bildungslandschaft

Nicole sitzt seit 2014 für die GRÜNEN im Hagener Rat und ist bildungspolitische Sprecherin. Das Schulhalbjahr mit den Anmeldefristen für die Klassen 5 habe ich zum Anlass genommen, ihr ein paar Fragen zu stellen.

Die Plätze sind knapp, die Gebühren recht hoch. Hat die Stadt die Familien von Kita-Kindern nicht im Blick?

Doch, hat sie. Wir sind allerdings immer noch eine arme Kommune unter strenger Aufsicht der Bezirksregierung. Das engt den Spielraum für Gebührensenkung in vielen Bereichen leider deutlich ein. Sicher wären beitragsfreie KiTas  oder deutlich günstigere KiTa-Gebühren sehr, sehr  wünschenswert. Das bleibt aber in den kommenden Jahren erst mal leider Wunschdenken. Was den Ausbau der Plätze angeht, ist die Stadt auf einem guten Weg. Guck Dir mal die Neubauten in den letzten drei Jahren an. Aber besser geht es natürlich immer.

Bei vielen Kindern sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn nicht gegeben, etwa weil Sprachkenntnisse fehlen. Was kann Hagen tun, damit die Integration durch Bildung gelingt?

Die Angebote für Sprachförderung ausweiten und die bestehenden bekannter machen. Hagen macht schon eine Menge. Die geförderten Programme „Griffbereit“, „Rucksack KiTa“ und „Rucksack Schule“ setzen schon genau an der richtigen Stelle an. Das müsste unbedingt noch flächendeckender ausgebaut werden. Dafür braucht es noch mehr geschultes Personal und somit auch Geld. Und auch Land und Bund könnten hier mehr tun. 33 000 € Fördermittel pro Jahr sind eigentlich ein schlechter Scherz.

Wie kann die Stadt es schaffen, die fehlenden Plätze im Offenen Ganztag an den Grundschulen bereit zu stellen?

Kurz gesagt: bauen! An den bestehenden Grundschulen sind wir fast am Ende angelangt, was die Ausnutzung aller vorhandenen Raumressourcen angeht. Da geht nicht viel mehr, will man nicht entweder anbauen und vermehrt Klassenräume auch für den OGS-Bereich öffnen. 

Also sprechen wir über Neubauten (siehe Wehringhausen und perspektivisch Mittelstadt) oder sonstige Anbaumaßnahmen, wo es möglich ist. Da die Zahl an Grundschüler in den nächsten Jahren deutlich steigen wird, brauchen wir sowieso mehr Schulraum. Ohne erhebliche Baumaßnahmen geht es also nicht. 

In diesen Wochen laufen die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen. Wie zufrieden bist du mit dem gegenwärtigen Angebot für zukünftige Fünftklässler?

Ich wäre deutlich zufriedener, hätten wir bereits die 4. Gesamtschule in städtischer Trägerschaft. Dann könnte nämlich fast jedes Kind einen Platz an seiner gewünschten Schulform bekommen. So müssen sich jedes Jahr fast 100 Kinder zwangsweise für eine andere Schulform entscheiden, weil sie keinen Platz einer der drei Gesamtschulen bekommen haben. 

Ansonsten haben wir ein gutes Angebot an Gymnasien mit unterschiedlichen Profilen. Unsere Realschulen haben stabile Anmeldezahlen, ebenso die beiden Sekundarschulen. Letztere haben  bislang vom Überhang an den Gesamtschulen profitiert und vom Umstand, dass es in der Innenstadt für künftige Fünftklässler neben der Sekundarschule nur noch die Schulform Gymnasium gab und gibt. 

Ob wir dauerhaft noch zwei Hauptschulen haben werden, wage ich derzeit nicht zu prognostizieren. 

Die Hasper können sich eigentlich privilegiert fühlen: es ist der einzige Stadtbezirk, der jede Schulform im Angebot hat.

Die Nachfrage ist seit Jahren da. Warum hat Hagen immer noch keine 4. Gesamtschule?

Es war politisch schlichtweg nicht von allen gewollt. Das dreigliedrige Schulsystem war für Teile der Mitbewerber sakrosankt. Hinzu kam, dass uns lange signalisiert wurde, dass es keinen zusätzlichen Bedarf an Oberstufenplätzen in Hagen gebe; und eine Gesamtschule verfügt ja auch eine gymnasiale Oberstufe. 

Jetzt haben wir endlich weitestgehenden Konsens darüber, die 4. Gesamtschule einzurichten. Ich freue mich sehr darüber und habe Respekt dafür, dass die Mitbewerber, die sich bislang versperrt haben, bewegt haben und dem Elternwillen entsprechen wollen. 

Im vergangenen Jahr gab es einen Konflikt zwischen dem Elternwillen, Kinder an einem bestimmten Gymnasium anzumelden, und der städtischen Planung. Wie positionierst du dich in einem solchen Fall?

Da bin ich vollkommen der Meinung der Bezirksregierung Arnsberg : es gibt einen Anspruch auf einen Schulplatz an der gewünschten Schulform, nicht unbedingt auf einen an der gewünschten Schule. Also in dem Fall klar pro städtischer Planung, auch wenn es unpopulär ist.

„Stadt der Fernuniversität“ steht auf den Schildern am Ortseingang. Im kommunalen Alltag ist davon wenig zu spüren. Hast du eine Idee, wie Hagen sein Profil als Bildungsstandort schärfen könnte?

Wie der Name schon sagt, hat Hagen keine Präsenzuni. Naturgemäß sind wenig Studierende im Stadtbild sichtbar. 

Allerdings tut sich schon eine Menge in der Stadt, auch wenn es auf den ersten Blick nicht auffällt. Hagen hat unter Federführung des Regionalen Bildungsbüros in den vergangenen Jahren damit begonnen, alle Institutionen und Akteure zu vernetzen, um die berühmt-berüchtigten Synergieeffekte zu schaffen. Plakativstes Beispiel ist die in jedem Jahr stattfindende Regionale Bildungskonferenz. Im März findet übrigens die nächste statt. 

Ideen habe ich immer! 

Aber ich verschieße doch nicht im Kommunalwahljahr schon im Februar mein Pulver. Die Mitbewerber lesen hier doch auch mit. 

( , küc)

      

                                                                                                Schulmuseum Dortmund

Kategorien:Newsletter
URL:https://gruene-hagen.org/newsletter/februar-2020/newsletter-volltext/article/7_fragen_an_nicole_pfefferer_zur_hagener_bildungslandschaft/